Seit dem Frühjahr läuft der Laden wieder. Damals hatte die niederländische Edel-Sportwagen-Manufaktur Spyker die schwedische Marke Saab übernommen und schnell wieder zum Laufen bringen können, weil die Entwicklungsabteilung auch in der Zeit weitergearbeitet hatte, in der Mutter General Motors sie verstoßen und geschlossen hatte. Jetzt steht der Saab 9-5 als zweites sichtbares Zeichen des Neuanfangs nach dem Facelift des 9-3 bei den rund 80 Händlern in Deutschland.

Der Saab 9-5 kommt „zwei Jahre später als geplant“, weiß Hans-Jörg Hänggi, der Deutschlandchef von Saab zu berichten. Im selben Atemzug weist er darauf hin, dass der 9-5 schon in zwei Jahren das älteste Fahrzeug im Saab-Angebot sein werde. Bis dahin sei die Modellpalette komplett überarbeitet.

Jetzt tritt der 9-5 mit drei neuen Motoren an. Darunter findet sich – wie es sich bei Schwedens gehört – auch ein 1,6-Liter-Vierzylinder Biopower-Motor, der seine 88 kW / 120 PS nach dem Genuss von Alkohol an die Räder bringt. Mit Diesel kommt der 2.0 TtiD aus, der 140 kW / 190 PS leistet. Dieser Motor ist der erste Diesel von Saab, der in Kombination mit dem Allradantrieb XWD angeboten wird. Super braucht der neue 1,6-Liter-Motor mit zwei Turboladern. Dieser Einstiegsmotor 1.6T leistet 132 kW / 180 PS, was 82 kW / 112 PS pro Liter Hubraum entspricht. Das Leistungsspektrum reicht nun bis zu den 220 kW / 300 PS des XWD 2.8 V6.

Saab will mit dem neuen Programm dem Premiumsegment zugerechnet werden. Da lohnt es sich, genau zuzuhören, mit welchem Wettbewerber sich die Schweden vergleichen. Ihren 9-3 sehen sie als Pendant zum Audi A4, den 9-5 folgerichtig als Wettbewerber zum A6. Und sie lassen auch gleich erkennen, wie sie den neuen Kleinen sehen, der dann wahrscheinlich auch bis 2012 auf dem Markt sein wird. Der 9-1 zielt auf den 1er BMW.

Vergleicht man das Raumangebot vom 9-5 und dem Audi A6, kann man sich ein paar Bemerkungen nicht verkneifen: Der Saab ist enger und kleiner; die hinteren Türen sind so niedrig, dass man den Kopf heftig einziehen muss; und auf den hinteren Sitzen bleibt für Sitzrriesen keine Kopffreiheit, obwohl die Sitze recht tief montiert sind.

Aber Größe ist nicht alles. Saab hat dafür alles unternommen, um sich bei den Premiummarken über Technologie und Sicherheitssysteme einzusortieren. Dazu gehört ein Head-up-Display, das alle wesentlichen Informationen von Fahrzeug und Navigation ins Sichtfeld des Fahrers bringt, ebenso ein Kamerasystem, das sowohl die Verkehrszeichen als auch die Linien auf der Straße erkennen kann. Wenn die Software den Eindruck hat, der Fahrer wolle die Linie bewusst überfahren, dann geschieht nichts, auch wenn er nicht blinkt. Erst wenn die Lenkbewegungen eher zufällig wirken, bemüht sich das System um seine Aufmerksamkeit. Es arbeitet also eher als ein Müdigkeitssensor.

Stolz zeigt Saab auch, wenn es um das XWD geht. Es entstand in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Allradexperten Haldex und verteilt die Kräfte nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse (beim Ampelstart bis zu 80 Prozent nach hinten), sondern auch zwischen den linken und rechten Rädern. Drive Sense, das erste adaptive Fahrwerk von Saab, regelt den Rest. Seine drei Einstellmöglichkeiten „C“ für Komfort, „I“ für Automatik und „S“ für Sport nimmt Einfluss auf Federung, Dämpfung, Lenkung, Automatikgetriebe und Motorsteuerung.

Sein Design nennen die Schweden „alles andere als gewöhnlich“. Das stimmt; denn noch immer sind die typischen Saab-Linien unverkennbar. Die alten Saab-Fans wird das freuen. Ob aber die Differenzierung zum 9-3 groß genug ist und ob der 9-5 so viel Prestige ausstrahlt, dass viele neue Fans dazukommen, wird die Zeit lehren.

Innen fühlt man sich auch ebenfalls an die alten Saab-Zeiten erinnert. Das auf den Fahrer hin ausgerichtete Armaturenbrett kennt man schon. Da passt alles, da finden sich so viele Einstellmöglichkeiten, wie man sie in der Premiumklasse gewohnt ist. Ungewöhnlich ist nur die grellgrüne Farbe aller Zeiger und Anzeigen, die wohl als Hinweis auf das schwedische Umweltbewusstsein gedacht ist.

Hänggi ist sicher: „Er wird seinen Weg im Premiumsegment schon machen.“ Aber nach solch einer Flaute der Marke fällt der Neutstart nicht leicht. Er nennt realistische Zahlen. In diesem Jahr will er noch 1000 Saab an den Mann bringen und ab 2011 daran arbeiten, das alte Saab-Niveau wieder zu erreichen. In guten Zeiten verkauften die Schweden in Deutschland zwischen 3000 und 4000 Autos. Zu den Zielen passen die Preise. Das Einstiegsmodell 1.6 T mit 132 kW / 180 PS hat einen Basispreis von 33 700 Euro; die Topversion XWD 2.8 V6 ist ab 52 500 Euro zu haben. (ampnet/Sm)

Daten Saab 9-5 1,6 T

Länge x Breite x Höhe (m): 5,01 x 1,87 x 1,47
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner, 1598 ccm
Leistung: 132 kW / 180 PS bei 5500 U/min
Maximales Drehmoment: 230 Nm bei 2200 U/min
Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm). 7,8 Liter
CO2-Emission: 179 g/km (Euro 5)
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,5 Sekunden
Kofferraumvolumen: 515 Liter
Leergewicht / Zuladung: 1695 kg / 515 kg
Maximale Anhängelast (gebremst): 1600 kg
Basispreis: 33.700 Euro

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.