Der Maserati Quattroporte stoppt, es riecht nach verbranntem Gummi und die Bremsen qualmen. Ein kurzer Fahrerwechsel und schon geht es mit röhrendem Achtzylinder-Klang und 400 PS wieder los. Eine Pylone auf dem abgesperrten Teil des Hockenheimrings signalisiert, wann der Fuß wieder vom Gas genommen werden soll, eine zweite markiert den Scheitelpunkt der Kurve und die dritte zeigt, wohin die Richtung mit Vollgas weiter geht. Handling nennt sich die Übung mit bis zu 200 km/h oder auch mehr und ist Teil des Maserati Driving Camps.

Das Maserati Driving Camp oder auch kurz MDC richtet sich nicht an Kunden, sondern an potentielle Käufer. Sie sollen unter Anleitung erfahrener Instruktoren den Komfort und vor allem die Dynamik der italienischen Sportwagen kennenlernen und sich davon überzeugen lassen, dass die mindestens 114 320 Euro für einen Maserati gut angelegtes Geld sind. Dabei darf in Grenzbereiche vorgestoßen werden, die im Alltag eigentlich nur in extremen Gefahrsituationen auftreten.

Natürlich kann auch ein Maserati Quattroporte oder ein bis zu 295 km/h schneller Gran Turismo S als stärkstes jemals gebautes Serienfahrzeug der Marke die Gesetze der Fahrphysik nicht aus der Welt schaffen. Aber es ist schon beeindruckend, wie sicher die Fahrzeuge dank ihres guten Fahrwerks, der hervorragenden Bremsen, ABS und Stabilitätskontrolle in Extremsituationen beherrschbar sind, wenn der Fahrer die Tipps der Instruktoren beherzigt. Dabei geht es weniger um die maschinelle, sondern mehr um die menschliche Technik und beispielsweise um die Frage, wie sitzt ein Autofahrer am besten, um möglichst gut reagieren und die Kontrolle über das Auto behalten zu können? Wie wird richtig gebremst? Und das Allerwichtigste, immer direkt einen Punkt exakt in der Richtung anpeilen, in die man tatsächlich fahren möchte.

Was damit gemeint ist, zeigt sich eindrucksvoll beim Elchtest. Mit etwa 80 km/h geht es auf ein Pylonenhindernis zu. Kurz vorher gibt der Instrukteur auf dem Beifahrersitz vor, ob links oder rechts herumgefahren werden soll. Nach dem Ausweichmanöver soll der Maserati wieder in die alte Spur zurückgeführt werden, damit er im Realfall nicht im Gegenverkehr landet. Wer einen etwa 100 Meter entfernten Punkt ins Auge fasst, der in gerader Linie zur eben verlassenen Spur liegt, der schafft es tatsächlich relativ einfach, die Aufgabe zu meistern. Wer jedoch seitlich zu den Pylonen schielt oder stur geradeaus in die augenblickliche Fahrtrichtung blickt, der durchfährt den Zielpunkt in der Regel auch entsprechend schräg. Gleiches gilt beim Handling-Parcours. Die Pylone, die den Scheitelpunkt der Kurve markiert, darf vorher nur kurz angepeilt werden und dann müssen die Augen auch schon die Gerade fokussieren, die folgen wird. Nur so lässt sich die Ideallinie fahren.

Driving Camp Teilnehmer lernen viel über Lastwechselreaktionen und beispielsweise, dass ein potenter Sportwagen wie der Maserati GT S nur dann kräftig beschleunigt werden sollte, wenn das Lenkrad gerade steht, denn alles andere macht fahrphysikalisch einfach wenig Sinn. Sinnvoller ist es auch kurz und heftig statt lang und weich auf die Bremse zu treten. Das schont nicht nur das Material, sondern fördert natürlich auch eine sportliche Fahrweise – und dafür sind Maseratis ja nun einmal in erster Linie gebaut.

Zum Driving Camp gehört aber auch eine Ausfahrt über Landstraßen und Autobahnen, um einen Maserati auch einmal im Alltagsverkehr zu testen. Beinahe schon süchtig machen kann der ebenfalls im Programm befindliche Slalomkurs, bei dem Konzentration und der beherzte Umgang mit Gas und Bremse gefragt sind. Maserati besteht darauf, dass das Material nicht geschont wird, um die fahrdynamische Qualität der Modelle unter Beweis zu stellen. Am Ende eines Tages steht dann das „Race of Champions“ an, bei dem nach dem K.O.-System der Slalomkurs mit zwei versetzt startenden Maseratis durchfahren wird.

Fünf Driving Camps bietet Maserati 2009 an, das sind zwei mehr als in diesem Jahr. Die Teilnahmegebühr von zuletzt 750 Euro wird beim Kauf eines Wagens zurückerstattet. Dazu kommen im nächsten Jahr erstmals zwei Driving Experiences für Kunden, die bereits einen Maserati fahren.

Das Konzept des Driving Camps scheint aufzugehen. Die Ein-Tages-Veranstaltungen auf dem Hockenheim- und dem Nürburgring sind nicht nur oft ausgebucht, sondern Maserati Deutschland rechnet in diesem Jahr mit einer Absatzsteigerung von gut 40 Prozent gegenüber 2007. Im Schnitt werden hierzulande jeden Tag zwei Quattroporte oder Gran Turismo neu zugelassen. Weltweit haben sich die Verkäufe der italienischen Edelschmiede in den vergangen vier Jahren mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen nach 17 Jahren unter Fiat-Fittichen erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben. (ar/jri)

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