Das ist nun wirklich paradox: Da steigt jemand bei acht Grad Celsius Außentemperatur und strammem Wind in Hose und Hemd aus einem offenen Cabrio und zieht eine Jacke an, weil es ihm draußen zu kalt ist. So geschah es uns bei der Präsentation des neuen E-Klasse Cabriolets im immer noch winterlichen aber immerhin schon grünen Mallorca. Ein Schal aus warmer Luft, ein Windleitblech oberhalb der Windschutzscheibe und ein kleines Windschott hatten uns zwei Stunden frische Luft und freien Blick zum Himmel ermöglicht.

Den Schal aus warmer Luft – bei Mercedes-Benz „Airscarf“ genannt – kannte man schon. Doch in der E-Klasse sind die Austrittsdüsen in der Kopfstütze der Vordersitze jetzt verstellbar. Den „Vorflügel“ an der Oberkante der Windschutzscheibe namens „Aircap“ kann man per Knopfdruck ausfahren. Er und das dazugehörige feinmaschige Netz sorgen mit dem Windschott zwischen den Rücksitzkopfstützen dafür, dass der Windstrom über die Passagiere angehoben wird. Das funktioniert bis zu Geschwindigkeiten um die 100 km/h. Unter dieser Mütze aus Wind bildet sich ein Warmluftsee, wenn die Heizung läuft oder mit Hilfe der Klimaanlage ein Kaltluftsee.

Beides zusammen bildet das „Cabriolet Komfort-Paket“ und kostet 1.249 Euro extra. Damit wird das viersitzige Cabrio der E-Klasse zu einem Ganz-Jahres-Cabrio. Mercedes-Benz gibt ihm das Motto mit auf den Weg: „Vier Jahreszeiten, vier Personen“, was man besser nicht missversteht als Aufforderung, im Winter mit vier Personen offen mit Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Das können auch Airscarf und Aircap nicht bieten. Dafür verschafft das 35 Millimeter dicke Stoffverdeck geschlossen den Insassen auch bei hohen Geschwindigkeiten ruhigen Reisekomfort. Man kann es bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h elektrisch öffnen und schließen, und es lässt geschlossen noch einen Gepäckraum von 390 Litern. Diedes Cabrio muss den Winter also nicht in der Garage rumstehen.

Cabrio-Freunde streiten ja gern über die Rolle des Motors beim offenen Fahren. Die Puristen plädieren stets für den kleinsten Benziner. Beim E-Klasse-Cabrio wäre das der E 200 CGI Blue Efficiency mit 135 kW / 184 PS, 270 Newtonmetern (Nm). Damit schafft es das Cabrio mit seinem Leergewicht von knapp 1700 kg in 8,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 230 km/h. Der Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm) liegt bei acht Litern, was einer Kohlendioxidemission von knapp 190 Gramm pro Kilometer entspricht.

Wer sich jetzt für den E 200 CGI entscheidet, bekommt ihn anfangs mit Automatikgetriebe ausgeliefert. Im Sommer folgt ein Sechs-Gang-Handschalter in Kombination mit einer Start-Stopp-Automatik. Beides sollte zu geringerem Verbrauch führen. Der Vierzylinder E 200 CGI kostet 45.815 Euro in der Basisausstattung. Cabrio-Freunde würden zusätzlich zu dem Frischluft-Komfort-Paket sicher auch die Ledersitze für 2.034,90 Euro bestellen und natürlich mit der Sitzheizung für 404 Euro, die es leider nur für die Vordersitze gibt. Die Drei-Zonen-Klimaautomatik für 702 Euro wäre auch nicht unpassend. Damit wäre dann die 50.000-Euro-Grenze knapp übersprungen.

Aber neben den Cabrio-Cruzern gibt es eben auch andere, die es lieber mit dem Diesel halten oder mehr Leistung unter der Haube vorziehen. Letztere können sich zwischen dem Vierzylinder E 250 CGI Blue Efficiency mit 150 kW / 204 PS sowie dem Sechszylindern E 350 CGI Blue Efficiency mit 215 kW / 292 PS und dem Achtzylinder E 500 Cabrio mit 285 kW / 388 PS entscheiden. Denen wird auch das Sport-Paket AMG für 3.213 Zusatz-Euro zusagen. Die Preisspanne beginnt bei den 45.815 Euro des E 200 und endet bei 71.519 Euro für den E 500.

Bei den Dieselmotoren stehen zwei Vierzylinder im E 200 CDI Blue Efficiency (125 kW / 170 PS) und im E 250 Blue Efficiency (150 kW / 204 PS) sowie ein Sechszylinder im E 350 CDI Blue Efficiency (170 kW / 231 PS) zur Wahl. Hier beginnen die Preise bei 47.719 Euro und reichen bis 54.621 Euro.

Denen, die immer noch meinen, Cabriolet und Dieselmotoren passten nicht zueinander, sei eine Probefahrt im Diesel empfohlen. Denn wir hatten bei unserer Testtour mit dem E 350 CDI Mühe, überhaupt am Klang erkennen zu können, dass es sich um einen Diesel handelt. Dafür hatten wir unsere Freude an der Beschleunigung in knapp sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h, am bärenstarken Drehmoment von 540 Nm zwischen 1600 und 2400 Umdrehungen pro Minute und am Verbrauch, den Mercedes-Benz mit rund sieben Litern auf 100 km angibt. Und gleiten kann er auch, will man den Puristen zurufen, die den kleinsten Benziner vorziehen würden.

Beide sind gleich schön. Offen hat das E-Klasse-Cabrio in der E-Familie aus Limousine, T-Modell und Coupé sogar den Schönheitspreis verdient. Zum ersten Mal gefielen uns die ausladenden Radhäuser an der Hinterachse, die an den berühmten Ponton-Benz erinnern sollen. Vielleicht haben wir uns aber auch inzwischen an sie gewöhnt. Wie dem auch sei: Dieses Cabrio gefällt mit elegantem Äußeren und Innenraum, guten Fahreigenschaften und Fahrleistungen sowie mit seiner umfassenden Sicherheitsausstattung und niedrigen Verbrauchswerten – eine E-Klasse eben. (ampnet/Sm)

Daten Mercedes-Benz E 200 CGI Blue Efficiency Cabriolet

Länge x Breite x Höhe in Metern: 4,70 x 1,79 x 1,40
Motor: Vier-Zylinder mit Direkteinspritzung, Turbolader, 1796 ccm
Leistung: 135 kW / 184 PS bei 5200 U/min
Maximales Drehmoment: 270 Nm zwischen 1800 und 4600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h
Beschleunigung (0 bis 100 km/h): 8,6 s
Verbrauch (Schnitt nach EU-Norm): 7,9 – 8,2 l (185 g – 190 g CO2/km)
Leergewicht/Zuladung: 1685 kg / 470 kg
Kofferraum: 300 l bei offenem Dach, 390 l geschlossen
Räder/Reifen: 7,5 J x 17 H2 / 235/45 R 17
Wendekreis: 11 m
Basispreis: 45.815 Euro

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