In den USA ist der Pick-up Ford F 150 mit rund 150.000 Verkäufen im Monat das meistverkaufte Personenwagen-Modell im US-Markt. In Deutschland ist der Pickup eine Randerscheinung, bildet einen kleinen Markt, an dem sich auch ein paar Amerikaner tummeln – meist der Ford Ranger und die Japaner von Mitsubishi, Toyota, Mazda und Nissan. Ab und zu feindet man eben auch einen F 150 oder einen Dodge RAM. Aus Deutschland nimmt nur einer teil am Kampf um den kleinen deutschen Markt: der VW Amarok.

Dabei war und ist der Auftritt des Amarok in Deutschland selbst nur als Randnotiz gedacht. Gebaut in Argentinien sollte er die Welt erobern, allerdings außer den USA, für die er ursprünglich zu winzig wirkte, um gegen die Acht-Zylinder-Riesen anstinken zu können. Mit seinen Zwei-Liter-Motörchen konnte der Deutsch-Argentinier da nicht mithalten. Doch schon bald nach dem Start der ersten Amarok vor sieben Jahren in Deutschland kam auch hier der Ruf nach mehr. Der Vier-Zylinder-TDI sorgte zwar für ganz ordentliche Fahrleistungen und einen für diese Fahrzeugklasse erstaunlich niedrigen Verbrauch – doch das interessiert niemanden wirklich, der sich nicht gerade aus beruflichen Gründen nach einem Pickup wie dem Amarok umsieht.

Mit seinem Kastenrahmen und den Blattfedern der Hinterachse wollte der Amarok eben auch zu den robusten Arbeitstieren gehören. Aber mit seinem Design weckte er von Anfang an auch andere Gelüste. Er war und ist hierzulande ein rollendes Statement, für alle, die sich von ihrem Gefährt(en) die notwendige Aufmerksamkeit erwarten. Dass so ein Amarok ein insgesamt sechs Tonnen schweres Gespann bewegen darf, neben den vier bis fünf Sitzplätzen in der Double Cab auch noch eine Ladefläche von rund 2,5 Quadratmeter für Gartenabfälle oder Sportgeräte bietet und im Gelände mit seinem permanenten Allradantrieb mit Torsendifferenzial und Sperrdifferenzial für die Hinterachse kaum zu schlagen ist, gibt gute Argumente für den Kauf eines Amarok ab. Aber ein Bullbar muss in vielen Fällen dazu, wenn auch die Rinderherden hier meist eingezäunt leben. In unserem Fall sorgte ein massiver verchromter Überrollbügel für den passenden Hingucker.

Zu solch einem Auftritt passen Zwei-Liter-Diesel so wenig wie ein Pony vorm Vierspänner. Der Ruf nach einem Sechs-Zylinder wurde schließlich erhört, sicher nicht nur wegen der Rufe aus Deutschland, eher ergab sich eine Chance, doch in die USA zu gehen. Die Gespräche laufen angeblich, der Amarok hat nun einen Drei-Liter-Diesel mit sechs Zylindern (unser Exemplar 165 kW / 204 PS) und wird auch in Deutschland, im Stammwerk von Volkswagen Nutzfahrzeug in Hannover-Stöcken, gebaut.

204 PS sind zwar nicht die Welt für einen mindestens 2,2 Tonnen schweren Amarok. Aber angesichts der tatsächlichen und der optisch großen Massen wirkt eine Beschleunigung in acht Sekunden von 0 auf 100 recht beeindruckend und die Höchstgeschwindigkeit von mehr als 190 km/h auf der Autobahn verfehlt ihren Eindruck ebenfalls nicht – weder auf die Insassen, noch auf die Autofahrer auf den anderen Spuren. So fordert dieser Amarok ab und an dazu auf, den anderen zu zeigen, dass sie ab und an auch einmal einem Pickup die linke Spur gönnen sollten. Natürlich schluckt der dann mehr als die 7,8 Liter Diesel für 100 km, die er nach NEFZ im Schnitt brauchen soll. Das kann sich jeder angesichts der Außenmaße und der Fahrleistungen vorstellen. Umso mehr überraschte der Praxisverbrauch von 10,8 Litern.

Bescheidenheit dieser Art ist so gar nicht Art von Pickups. Gerade die Amis hauen nicht nur beim Verbrauch, sondern in den Edelversionen auch innen auf die Pauke. Der Amarok hält es da auch in der Ausstattungsstufe High Line eher mit der europäischen Zurückhaltung: zwar alles in feinem Leder, doch eher europäisch zurückhaltend, aber sehr ansehnlich. Eben ein Volkswagen-Umfeld, vertraut und wenig überraschend. Auch beim Fahren gibt er sich als Volkswagen zu erkennen. Der Audi-Motor macht auch im Amarok Freude. Sein maximales Drehmoment von 550 Newtonmetern (Nm) steht beim Amarok schon ab 1400 Umdrehungen pro Minute (U/min) bereit und erleichtert so dem Acht-Gang-DSG die Arbeit. Es geht flott voran, so agil, dass man sogar in Innenstadtstraßen die Außenmaße vergessen könnte. Dazu trägt die gute Übersicht bei – aufgrund der hohen Sitzposition, wegen der großen Fensterfläche und der großen Heckscheibe, wenn die Sicht nicht durch ein Hardtop aus dem Zubehörprogramm behindert wird. Bei unserem Exemplar bedeckte eine Jalousie die Ladebox.

Aber im Inneren gibt sich der Amarok als ein Stück bewährte, nicht eben richtungsweisende Technik zu erkennen. So mancher mag den Handbremshebel, hier bekommt er ihn. Der kleine Bildschirm in der Mitte des Armaturenträgers zeigt, dass hier nicht die jüngste Generation von Infotainment arbeitet. Wenigstens ESP ist in der Basisausstattung an Bord und sogar eine adaptive, radargesteuerte Geschwindigkeitskontrolle, offenbar der ersten Generation. Eine Kamera ist nur fürs Rückwärtsfahren an Bord. Alles andere findet sich auf der Liste der Sonderausstattungen.

Die Passagiere vorn dürfen sich dennoch verwöhnt fühlen von bequemen Sitzen, die sogar Seitenhalt bieten, und einem überzeugenden Raumgefühl mit scheinbar unendlicher Breite. Die Menschen in der Reihe dahinter haben es auf der starren Hinterachse mit Blattfedern nicht ganz so bequem und auch nicht so luftig. Sie würden sich bestimmt über eine 50 Millimeter längere Kabine freuen. Aber die 1,55 Meter Länge für die Ladefläche sind eben auch nicht zu verachten. Schließlich ist der Amarok ein Nutzfahrzeug, oder? (ampnet/Sm)

VW Amarok Double Cab V6 TDI 4Motion Highline

Länge x Breite x Höhe (m): 5,20 x 1,95 x 1,88
Radstand (m): 3,09
Motor: V6-Turbodiesel, Direkteinspritzung, 2967 ccm
Leistung: 165 kW / 204 PS von 3000 – 4500 U/min
Max. Drehmoment: 550 Nm von 1400 – 2750 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 191 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,0 Sek
Durchschnittsverbrauch: NEFZ 7,8 Liter/100 km. Praxis 10,8 Liter
Emissionen Kohlendioxid: 203/204 g/km (EU6)
Leergewicht / Zuladung: min. 2241 kg / max. 679 kg
Ladeflächenlänge: 1,55 m
Ladefläche: 2.52 qm
Max. Anhängelast (12 % Steigung): 3500 kg (maximales Gespanngewicht: 6000 kg)
Räder / Reifen: 7,5 J 18 / 255/60 R 18
Basispreis: 48.963 Euro

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