Wer wie Volkswagen ankündigt, die Nummer eins vom Thron stoßen zu wollen, der braucht auch einen Pick-up im Modell-Portfolio. In vielen Gegenden der Welt sind diese Fahrzeuge als Lasttiere gefragt, finden aber auch Freunde, die Lust am Pick-up haben, des Hobbys oder einfach der Sensation wegen. Volkswagen-Nutzfahrzeuge leben schon lange erfolgreich mit dem Spagat zwischen beiden Zielgruppen, etwa beim Caddy und beim T5. Das soll dem Amarok zugute kommen.

In Deutschland werden zur Zeit noch rund 6000 Pick-ups aller Marken pro Jahr zugelassen. Auch wenn Volkswagen es wieder einmal schaffen wird, mit einem Neuen den Markt durcheinander zu würfeln und zu vergrößern – Deutschland wird nicht den Hauptmarkt darstellen. Südamerika, Asien und Afrika stehen bei den Prioritäten ganz oben. Die USA wird man zunächst aussparen. Dort gehört zum Pick-up immer noch der 5,0-Liter-Achtzylinder-Benziner. Der Volkswagen Amarok wird aber nur mit einem 2,0-Liter-Diesel von 120 kW / 170 PS angeboten.

Die Amerikaner müssen erst noch lernen, solch eine Motorisierung ernst zu nehmen. Wir wissen das schon und freuen uns an dem Drehmoment des Biturbo-Direkteinspritzersvon 400 Newtonmetern zwischen 1500 und 2000 Umdrehungen pro Minute, die den Zweitonner dank der vielen elektronischen Helfer und einer optionalen mechanischen Quersperre auch in schwerstem Gelände scheinbar mühelos bewegen. Der kann dort mindestens genausoviel wie der hochgelobte, fürs Gelände spezialisierte Vetter namens Touareg.

Anders als der Touareg fußt der Amarok auf dem klassischen Geländewagenkonzept: Leiterrahmen, Starrachse mit Blattfedern hinten, kurze Überhänge, große Bodenfreiheit, große Böschungswinkel vorn wie hinten und ein zuschaltbarer Allradantrieb. Mit der Heavy-Duty-Federung hinten kann er bis zu 1,1 Tonnen zuladen und 2,8 Tonnen schwere Anhänger ziehen. Für den gewerblichen Einsatz wird es einen schwächeren Turbodiesel geben; auch eine einfache Kabine mit nur einer Sitzreihe soll 2011 kommen.

Doch Singlecab und Heavyduty-Federn werden in Deutschland wohl die Ausnahme bleiben. Hier wird eher die Komfortfederung in der Variante mit dem permanenten Allradantrieb zum Einsatz kommen. Denn die bringt in unserer Umgebung den größten Gewinn an Spaß. Gemessen an dem, was in dieser Klasse sonst an Preisen üblich ist, hört der Spaß beim Preis nicht auf. Der Amarok mit Doppelkabine und Heckantrieb kostet 28 940 Euro, mit „4-Motion“-Antrieb knapp 2000 Euro mehr. Die „Trendline“-Ausstattung mit „4Motion“ wird für 34 629 Euro geliefert; die Topversion „Highline“ kostet 35 265,65 Euro in der Basis. Alle Varianten lassen sich je nach Bedarf natürlich noch hochrüsten.

Wir erlebten jetzt den VW Amarok Doublecap Highline BiTDI mit dem Sechs-Gang-Handschalter (eine Automatik folgt wohl erst ab 2012). Seine 5,25 Meter Länge, 1,95 Meter Breite und eine Höhe von 1,83 Metern – das schafft zunächst einmal Respekt, auch wenn das übliche, breite und selbstsichere Lächeln des VW-Designs einem Vertrauen einflößen will: Hier steht doch auch nur ein Volkswagen; so schlimm kann’s nicht werden. Wurde es auch nicht; denn der Amarok benimmt sich auf der Straße viel gesitteter als man es beim einen Starrachsen-Auto gemeinhin erwartet. Sein Geradeauslauf ist gut, seine Kurvenwilligkeit Pkw-ähnlich, nur beim Wanken benimmt er sich wie ein hohes Auto. An seine große Schnauze und seinen mit 12,95 Metern beachtenswerten Wendekreis sollte man denken, wenn’s ans Rangieren geht. Dabei hilft natürlich der hervorragende Überblick von ganz oben. Alle Fahrzeugecken hat man vom Fahrersitz aus im Blick, und die üblichen Piepser oder gar eine Heckkamera helfen ja auch noch.

Die drei Mitfahrer auf der Rücksitzbank erleben nicht die drangvolle Enge, wie sie bei manchen Doublecabs üblich ist. Die Türen geben einen breiten Einstieg frei, und der Fußraum reicht aus. Sie können sich dort auch auf eine hohe Innenraumsicherheit verlassen; denn das Airbagpaket ist komplett, ebenso die Ausstattung mit Elementen der aktiven Sicherheit. ESP ist an Bord, optimiert für den Anhängerbetrieb. Kapriziert man sich auf Geländeeigenschaften, helfen die Berg-Anfahr- und Abfahrthilfe, ein Offroad-ABE, eine Offroad-ESP, die elektronische Differenzialsperre und auf Wunsch eben auch eine mechanische Sperre.

Innen umgibt einen eine Welt, die vertraut erscheint, weil man Caddy-, Golf- und T5-Elemente wiederentdeckt. Auch bei der Bedienung stellen sich keine Überraschungen ein; denn unser Highline-Amarok unterscheidet sich in der Ausstattung und in der Qualitätsanmutung nicht von den anderen Produkten der Marke. Sitzt man im Amarok, fährt man einen breiten und innen wie außen hohen Personenwagen, der in seinen nützlichen Eigenschaften anderen Pick-ups etwas voraus hat, nämlich eine mit 78 Zentimetern extrem tiefe Ladekante, die mit 50,3 Zentimetern höchste Bordwand seiner Klasse und eine Ladeflächenbreite, die es erlaubt, Europaletten quer aufzuladen.

So viel noch einmal zum Last-Kapitel. In Deutschland wird sich aber wohl seltener die Frage nach der Europalette als die nach dem Motorrad stellen. Das konnten die Väter des Amarok ja dieses Jahr schon beim GTi-Treffen am Wörthersee erleben, bei dem sie sich mit einem aufgemotzten Amarok samt Geländemaschine auf der Ladefläche viel Lob bei der GTI-Gemeinde abgeholt haben.

Das dürfte sie in ihrer Planung verunsichert haben, im ersten Jahr in Deutschland rund 3000 Amarok verkaufen zu können. Sie irren sich. So ein Auto passt heute zum Lebensstil vieler Junger und Junggebliebener, zumal sie sich des Amaroks und seines Kraftstoffverbrauchs nicht schämen müssen. Der liegt im Schnitt (nach EU-Norm) zwischen 7,8 und 7,9 Litern, trotz des Gewichts und der Außenmaße und trotz der Fahrleistungen von 11,1 Sekunden von null auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 180 km/h.

Also, liebe Wolfsburger, bestellt schon mal ein paar Schiffe zusätzlich, damit genug Amaroks aus Argentinien kommen. Sonst werden die Lieferzeiten zu lang. (ampnet/Sm)

Daten Volkswagen Amarok Doublecab Highline 2.0 BiTDI

Länge x Breite x Höhe (m): 5,25 x 1,94 x 1,83
Motor: Vierzylinder-Diesel, 1968, Common Rail-Direkteinspritzung, Biturbolader,
Leistung: 120 kW / 170 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm zwischewn 1500 und 2000 U/min
Leergewicht/Zuladung: 1958 21257 / 862 bis 663 kg
Ladefläche (in m): 1,56 x 1, 22 (zwischen den Radhäusern) bzw 1,62 x 0,50, insgesamt 2,52 Quadratmeter
Böschungswinkel: vorn 28 Grad, hinten23,6 Grad
Steigfähigkeit: 100 %, maximale Seitenneigung 45 Grad
Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm): 7,8 – 7,9 Liter
Emissionen206 – 209 g/km CO2, Euro 5
Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 11,1 Sekunden
Reifen: 18 Zoll (17‘‘ bis 19‘‘ möglich)
Basispreis: 37.169,65 Euro

2 KOMMENTARE

  1. Ein schöner Pick-Up, mit dem VW hier punkten will. Bei der Zielgruppe „Motorradfahrer“ wäre ich mir unsicher, denn ein Motorrad passt nicht ohne Weiteres auf die Ladefläche, wenn ich mir die Abmessungen so ansehe.

  2. Hallo,

    wir haben seid einer Woche einen Amarock im Einsatz und sind total begeistert. Er ist ein echter Lifestile Wagen welche auffällt. Er sticht durch seine Größe und seine Optik hervor und sieht einfach gut aus. Beim Fahren in der Stadt hat so Transporter Niveau. Vergleichbar mit einem T5 oder Vito. Aber ansonsten ein tolles zu gebrauchenes AUto. Als Familienwagen?? Muss jeder für sich entscheiden. Aber um sich aus der Masse der X5 oder Tiguans dieser Welt hervorzuheben. Damit klapp es garantiert.

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